Professionelle Fotos haben eine hohe Strahlkraft

Jeder durchdachten und gut gestalteten Internetseite eines Industrieunternehmens fehlt ohne professionelle Fotografie ein Hauptbestandteil. Professionelle Fotos haben eine hohe Strahlkraft und prägen das Firmenimage entscheidend. Wir haben ein Gespräch mit dem Fotografen Wolfram Schroll geführt, der sich seit 15 Jahren auf Industriefotografie spezialisiert hat.

Gerling: „Guten Tag Herr Schroll. Wie kamen Sie zur Industriefotografie?“

Wolfram Schroll: „Guten Tag Herr Gerling. Zu Beginn meiner Laufbahn als Fotograf war ich in allen Bereichen tätig, vor allem im Bereich Produktfotografie. Vor ungefähr 15 Jahren bekam ich über einen Bekannten meinen ersten Auftrag im Bereich Maschinenbau. Ich fand die Ergebnisse so spannend, dass ich seitdem am liebsten in diesem Bereich arbeite.

Gerling: „Was fasziniert Sie an der Industriefotografie?“ 

Wolfram Schroll: „Faszinierend ist es, in eine Arbeitswelt einzutauchen, die oftmals Traditionen verhaftet ist. Und wer kommt beispielsweise einfach so in ein Kraftwerk? Es ist spannend, Menschen, Prozesse und Technologien kennenzulernen, die man sonst in dieser Form nie zu Gesicht bekommen hätte. Ich finde es faszinierend, so aufregende Motive entdecken zu dürfen.

Gerling: „Was ist der schwierigste Teil bei Ihren Projekten?“

Wolfram Schroll: Die Kunst ist es, in einer riesigen Produktionshalle das Motiv oder die Motive zu finden, auf die sich alles konzentriert. Sehr viele Dinge lassen sich nicht steuern. Oft hat man nur zehn, zwanzig Sekunden, da hilft nur sehr lange Erfahrung, um diese perfekten Augenblicke einzufangen.

Gerling: „Was macht das perfekte Industriefoto aus? Wie muss ein Bild aussehen, damit Sie zufrieden sind?“

Wolfram Schroll: Es muss spannend sein. Wie bereits gesagt, ist es das A und O das Motiv zum richtigen Zeitpunkt zu finden! „

Gerling: „Ungeübte Betrachter sehen oft nicht die Qualität guter Fotografie. Was würden Sie diesen Laien raten, woran sie Qualität erkennen?“

Wolfram Schroll: Die meisten erkennen schon den Unterschied zwischen Amateurfotos und professionellen Fotografien. Bei einigen ist allerdings Hopfen und Malz verloren. Da kommen Aussagen wie: „Ist doch egal, wie das aussieht.“ Oder: „Verraten Sie uns bitte ein paar Ihrer Tricks, damit wir im Notfall solche Fotos auch selbst machen können.“  

Qualität erkennt man daran, dass ein professionelles Foto nach einem halben Jahr immer noch gefällt.“

Gerling: „Nutzen Sie eine spezielle Ausrüstung?

Wolfram Schroll: „Ich versuche immer up to date zu sein. Ich nutze eine SONY Ausrüstung. Meiner Meinung nach ist SONY der Konkurrenz immer einen kleinen Schritt voraus. Wichtig ist hohe Empfindlichkeit, um perfekte Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen zu produzieren. Das Gewicht der Ausrüstung sollte möglichst gering sein, schließlich arbeitet man oft acht bis zehn Stunden mit der Ausrüstung.“

Gerling: „Wie stark bearbeiten Sie Ihre Bilder nach?“

Wolfram Schroll: „Bildbearbeitung gehört zu professioneller Fotografie heute dazu. Das Wort „Look“ kommt mir in diesem Zusammenhang zwar nur schwer über die Lippen. Doch dieser lässt sich – die Qualität des Motivs vorausgesetzt – fast immer mit einem kleinen Griff in die Bildbearbeitungstrickkiste noch steigern. Es unterstützt das Motiv, wenn das Foto verändert wird: heller, wärmer, cleaner oder kühler. Ich mag es, wenn Leuchtmittel überstrahlen. Manchmal muss man störende Teile aus dem Bild entfernen oder mehrere Bilder kombinieren. Aber das soll bei mir immer mit ein paar Handgriffen erledigt sein. Die Basis ist immer ein gutes Motiv.

Gerling: „Was empfehlen Sie Industrie-Unternehmen, wenn kein Budget oder keine Zeit für professionelle Fotografie vorhanden ist und trotzdem Fotos gebraucht werden?“

Wolfram Schroll: „Ein Budget ist eigentlich immer da. Wenn da eine Produktionshalle mit Anlagen im Wert von mehreren Hunderttausenden oder gar Millionen steht und kein Budget für professionelle Fotos da ist, wurde meiner Meinung nach grundsätzlich etwas falsch gemacht.  

Einem Start-up empfehle ich bei dieser Frage, geht zu einer Hochschule und fragt einen Studenten oder eine Studentin. Bei einem größeren Umfang kann sie oder er brauchbare Fotos vielleicht im Rahmen einer Semesterarbeit erstellen. Natürlich kann man heute auch ein Handy nutzen, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Doch das Wichtigste bleibt,das Motiv zu finden. Damit das gelingt, braucht man einfach langjährige Erfahrung.
Für Fotos, die in einem Geschäftsbericht abgedruckt werden sollen, sollte man aber ausschließlich professionelle Aufnahmen verwenden.“

Gerling: „Was wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändern – gibt es einen Trend? Wird z.B. das Video das unbewegte Bild in der digitalen Kommunikation verdrängen?“

Wolfram Schroll: „Fünf Jahre sind ein langer Zeitraum – bei dieser schnellen technischen Entwicklung. Und für zehn Jahre halte ich eine Vorhersage erst recht nicht für möglich. Mit den heutigen Kameras und Speichermöglichkeiten können inzwischen auch problemlos Videos produziert werden. Fotografie und Video werden immer wenn keine 3D-Daten vorhanden sind (und das ist bei Industrieanlagen in der Regel so) zum Einsatz kommen. In vielen Bereichen wie der Produktfotografie verschmelzen Fotografie und virtuelles Rendering.  

Die Industriefotografie verändert sich mit jeder technischen Entwicklung. Heute sind z.B. Herstellungsprozesse immer mehr gekapselt, sodass sie fürs Auge kaum sichtbar sind. Dann ist es eine Herausforderung, bei einem Foto, das durch eine kleine blaue Glasscheibe mit Lasern aufgenommen wurde, die Glasscheiben „verschwinden“ zu lassen.“

Gerling: „Auf welche zwei, drei Industrie-Projekte, die Sie fotografiert haben, sind Sie besonders stolz und warum?“

Wolfram Schroll: „Hmmm … (lacht) eigentlich immer das oder die letzten, die ich umgesetzt habe. Aber die Projekte für Airbus und SMC waren schon etwas ganz besonderes. Sehr spannend ist es, neue Werkstoffe und deren Herstellung, neue Werkzeuge wie etwa 3D-Drucker im Einsatz oder ähnliches zu fotografieren.“

Gerling: „Danke Herr Schroll, für das sehr informative Gespräch und dafür, dass sie sich die Zeit genommen haben!“

 

Kurzprofil 

Mit 19 Jahren machte Wolfram Schroll eine klassische Ausbildung zum Fotografen, mit 27 Jahren eröffnete er sein eigenes Studio. Fotografiert wurde „alles, was mir vor die Kamera kam“. Die Liebe zur Industriefotografie entwickelte sich jedoch erst später.

Der Hang zu Industrieanlagen scheint ihm „in den Genen“ zu liegen. Am Rande des Ruhrgebiets lebend, die Großväter Drahtzieher und Bergmann,brachte ihn seine Fotografie in alle denkbaren Industriebereiche: Stahl, Maschinenbau, Chemie, Elektrotechnik, Luft- und Raumfahrt, Forschung und Medizintechnik.

Schroll arbeitet für kleine Familienbetriebe und Mittelstand ebenso gern wie für internationale Konzerne in Deutschland, Europa und Übersee.

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Alexander Gerling

Alexander Gerling

Gründer und Geschäftsführer von salient doremus.

Experte für 3D-Content mit Schwerpunkt hochauflösende HDRI Visualisierungen, WebGL und didaktischer Animation. Er vereint technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und fotografische Fähigkeiten. Seit vielen Jahren aktiv umsetzend kennt er Prozesse, Formate und Fallstricke bei der Verwendung großer Datenmengen. Er ist kompromisslos im Detail, verliert nie den Blick für das Große Ganze und denkt auch in interaktiven Kategorien. Sein Anspruch: Virtuelle Welten, die der Realität in nichts nachstehen.

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